Dieser Ausflug weckt Kindheitserinnerungen. Denn es geht auf den Elmer Citro Weg. Auf diesem Weg gibt es etwas ganz Besonders: Ein Brunnen gefüllt mit Elmer Citro. Warum das für mich etwas Besonderes ist, und was einen auf dem Weg erwartet. Das lest ihr hier. 

Damals, in den 80er-Jahren, als wir noch Kinder waren, damals waren Süssgetränke noch nicht so verbreitet. Jedenfalls nicht in unserer Familie. Bei uns gab es meistens Tee, Pfefferminz-Tee. Wenn wir aber unsere Grossmutter besuchten, gab es manchmal eine Ausnahme. Sie war im Glarnerland aufgewachsen – unüberhörbar, denn ihr Dialekt war leicht anders als unserer. „Gestern Abend“ hiess bei ihr beispielsweise „nächti“ und die Erbsen „Boverli“. Wenn wir sie besuchten, stand manchmal eine Flasche des Glarner Nationalgetränks auf dem Tisch: Elmer Citro. 

Elmer Citro, Vreni Schneider, Martinsloch 

Elm liegt ganz hinten im Sernftal auf fast 1000 Metern über Meer. Es ist die Heimat von Vreni Schneider. Sie ist eine der erfolgreichsten Skirennfahrerinnen aller Zeiten und in der Schweiz sowas wie die offizielle  „Sportlerin des Jahrhunderts“. Bekannt ist Elm aber auch fürs Martinsloch. Ein Loch mitten im Berg, durch welches zwei Mal pro Jahr für einen kurzen Moment die Sonne direkt auf den Kirchturm scheint. Wäre man Superman und würde durch das Loch hindurchfliegen, dann wäre man direkt im bündnerischen Flims.

Bild: Samuel Trümpy Photography, Kanton Glarus

Aber ich bin nicht Superman – sondern gedanklich wieder jenes Kind, auf welches die Elmer Citro Flasche mit der charakteristischen gelben Etikette und dem grünen Schriftzug eine ungeheure Faszination ausübte. Ich meine fast das Zischen beim Öffnen der Flasche zu hören und dieses angenehme Sprudeln im Hals zu spüren. Herrlich! Womit natürlich nichts gegen dich, lieber Pfefferminz-Tee, gesagt sei. Elmer Citro übte damals einfach etwas Faszinierendes auf mich aus – und tut es auch heute noch. 

Und dann hörte ich vom Elmer Citro Weg

Und als ich kürzlich bemerkt habe, dass es in Elm einen Elmer Citro Weg gibt, da war für mich klar, dass ich diesen Weg besuchen musste. Zumal es dort sogar einen Brunnen gefüllt mit Citro geben soll. Das muss das Paradies sein. Also packte ich Kind und Kegel und machte mich auf ins Glarnerland. Damals reisten wir mit dem Auto, alle zusammengepfercht auf der Rückbank. Ein Horrortrip. Mit Schrecken erinnere ich mich an die Fahrten über Wasserfluh und Ricken, wo es uns regelmässig schlecht wurde. Diese Qual wollte ich meinen Kindern ersparen, deshalb wählten wir für unseren Ausflug den öffentlichen Verkehr. Bis Schwanden fährt der Zug, dann ins Sernftal der Bus. Null Probleme – wir erreichten das Ziel, Elm Station, ohne bleiche Gesichter. 

Der Elmer Citro Weg – er heisst offiziell „Elmer Citro-Quellenweg“ ist gut ausgeschildert. Startpunkt ist beim Spielplatz im Dorf. Hier können sich die Kinder nach der Anreise ein erstes Mal austoben. Anschliessend führt der Weg entlang dem Raminer Bach und der Sernf ins Quellgebiet von Elm. Auf der 4,4 Kilometer langen Strecke gilt es eine Höhendifferenz von 160 Metern zu überwinden – wobei überwinden etwas dramatisch klingt; der Weg erfordert keine sportlichen Höchstleistungen. Kinderwagentauglich ist er allerdings nicht. Da es ins Quellgebiet geht, wo es feucht werden kann, ist gutes Schuhwerk empfohlen. 

Seit dem Mittelalter gilt das Elmer Wasser als etwas Besonderes 

Entlang der Strecke gibt es verschiedene Tafeln mit Informationen über die Geschichte von Elmer Citro. Demnach gab es bereits im Mittelalter erste schriftliche Hinweise, wonach das Wasser in Elm etwas Besonders ist. Später wurde auch ein Kurhaus eröffnet und das Wasser in Korbflaschen abgefüllt und an die Gäste aus aller Welt verkauft. 1927 mischte der damalige Besitzer des Kurhauses Zitronensirup ins Wasser und so war das Elmer Citro geboren. 

Auf den Info-Tafeln gibt es auch Wasserexperimente zum Ausprobieren und Rätsel zu den Geheimzutaten von Elmer Citro. Weil es etwas bergaufwärts geht, hat man ausserdem einen herrlichen Blick auf das Dorf Elm – inklusive Citro-Fabrik – und die Glarner Alpen. Auch Alpakas gibt es zu sehen. Etwa auf halber Strecke befindet sich das Quellhüttli. Das ist ein wunderbarer Ort, um eine kurze Pause einzulegen. Es gibt eine Feuerstelle sowie einen überdachten Platz samt Tisch und Bänken. 

Wo ist bloss der zauberhafte Brunnen?

Ehrlicherweise gilt mein Interesse weniger Experimenten, schönen Aussichten oder Picknick-Plätzen, sondern dem Elmer Citro Brunnen. Wo kann er denn nur sein? Und tatsächlich – wenige Schritte nach dem Quellhüttli ist endlich ein Brunnen. Bloss ist er leer und aus einem Plastikschlauch rinnt ein wenig durchsichtige Flüssigkeit. Ist das Wasser oder etwa doch Citro? Mutig probiere ich einen Schluck. Nix Citro, ganz gewöhnliches Wasser ist es. Der zauberhafte Brunnen muss also woanders sein. Weiter geht die Suche. 

Aber dann: Plötzlich erkennt man durch die Bäume hindurch einen Brunnen gefüllt mit grünen Flaschen. Das muss er sein. Die Kinder wechseln spontan in den Turbogang und schon kurze Zeit später tauchen unsere Arme ins kühle Wasser und befördern Flaschen ins Freie. Halleluja. Eine kurze Drehung am Deckel und schon zischt es so herrlich, wie man es sich schöner kaum vorstellen kann. Wir setzen uns auf den Bank und gönnen uns ein paar Schlücke. „Mmmhhh“, tönt es aus Kinderkehlen. „Geniesst es“, sage ich und mahne gleichzeit, „aber gell, nachher gibt es wieder Pfefferminztee“. 

Vom Elmer Citro Brunnen in den Riesenwald 

Eigentlich könnte hier die Geschichte zu Ende sein. Aber aus servicetechnischen Gründen möchten wir noch darauf hinweisen, dass der Elmer Citro Weg vom Brunnen zum Ausgangspunkt beim Spielplatz zurückführt. Ausserdem befindet sich ganz in der Nähe des Brunnens die Talstation der Sportbahnen Elm. Mit dieser gelangt man zum Kinderparadies Ampächli und zum Riesenwald. Diesen Ausflug kann ich sehr empfehlen. Mehr dazu gibt es hier. 


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