Wir unternehmen einen Familien-Kurztrip ins Weltall und besuchen das Bodensee Planetarium. Denn der Blick nach oben in den Himmel ist immer wieder faszinierend. Tausende Sterne glitzern und funkeln. Manche so weit entfernt, dass sie bereits erloschen sind, bis das Licht auf der Erde eintrifft. Im ganzen Sternenmeer kenne ich nur eine Handvoll Sternbilder mit Namen – zum Beispiel Orion. Das erinnert mich ans Selvelied, ein Duett der Berner Mundartsänger Trummer und Büne Huber. Im Song geht es um eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung. Und im Refrain spielt Orion folgende Rolle: 

Ire stärneklare Herbschtnacht mal het er mi ufe Balkon gholt
Het ufezeigt wo’s het gfunklet, het gseit: Das dert isch dr Orion
I ha mi gfröit und ha si Hand gnoh u ha gfragt für was dä steit
Är isch zersch es Zytli still gsy, bis er I weisses nid het gseit
Het öpper mi Père gseh?

Vielleicht lohnt es sich also, mehr über die Sterne zu erfahren. Zum Glück gibt es bei uns in der Nähe eine Sternwarte, das Bodensee Planetarium und Sternwarte in Kreuzlingen.

Es befindet sich in der Nähe des Bahnhofs Kreuzlingen Bernrain und ist in etwa 10 Minuten zu Fuss erreichbar. Wir haben dieses Mal allerdings das Auto benutzt und sind prompt etwas in die Bredouille geraten. Denn beim Planetarium gibt es keinen Parkplatz. Zusammen mit anderen Besuchern haben wir deshalb einige Wendemanöver im Quartier durchgeführt. Die Frau an der Kasse wusste schliesslich Rat. Unterhalb des Planetariums befindet sich die Schokoladenfabrik Bernrain. Dort darf man parkieren. 

Die Kuppel dient als Leinwand

Bei unserem Besuch herrschte leider stockdicker Nebel. Der Blick in die Sterne war deshalb nicht möglich. Aber im Bodensee Planetarium kann man mehr machen, als durch ein Teleskop zu schauen. Denn es gibt ein Kino. Der Eintritt für Familien kostet 26 Franken. Die 10 Meter grosse Kuppel dient als 360°-Leinwand. Dadurch wird der Besuch fürwahr zum Familien-Kurztrip ins Weltall. Bei unserem Besuch wurde ein einstündiger Film über die Sonne gezeigt. Sie ist unser nächster Stern und  sorgt seit fast fünf Milliarden Jahren für Licht und Wärme auf der Erde. Und ist die Quelle allen Lebens. Der Film zeigt auch eindrücklich, dass es irgendwann vorbei sein wird mit dem Leben auf der Erde. Denn die Sonne wird explodieren. Beruhigend: Das wird erst in etwa fünf Milliarden Jahren der Fall sein. 

Bevor man das Bodensee Planetarium besucht, lohnt sich ein Blick auf die Homepage. Dort ist das Programm detailliert aufgeführt. Und es sind auch die Alterskategorien angegeben. Zwar können sämtliche Filme bedenkenlos mit den Kindern besucht werden – aber gerade für Kinder im Vorschulalter kann die Thematik zum Teil schwierig zu verstehen sein. Aber auch für sie gibt es passende Filme.

Und doch noch der Blick in den Sternenhimmel

Nach dem Film gab es doch noch einen Blick in den aktuellen Sternenhimmel. Allerdings nicht, weil sich der Nebel verzogen hatte, sondern weil in der Kuppel das Ganze mit modernen Geräten simuliert werden kann. Mitarbeitende des Planetariums erklären dann den Besucherinnen und Besucher, was am Himmel zu sehen ist. Sie kennen die Namen der funkelnden Punkte – und auch deren Bedeutung.

Thema ist auch der Orion, der ein markantes Sternenbild am Winterhimmel ist. Der Orion ist ein mythischer Himmelsjäger. Und tatsächlich bedarf es gar nicht allzu grosser Fantasie, sich beim Anblick des Sternbilds einen Jäger vorzustellen – jedenfalls nicht, wenn fachkundige Begleitung dabei ist. Verbindet man die einzelnen Sterne mit Linien sieht man tatsächlich einen Körper, der einen Bogen in den Händen hält. Besonders auffällig sind drei Sterne, die nebeneinander in einer Reihe stehen. Sie markieren den Gürtel des Orions. Diese drei Sterne sind im Winter einfach am Himmel zu entdecken.

Sollte von meinen Söhnen je die Frage kommen, wofür der Orion steht, müsste ich dank des Besuchs im Bodensee Planetarium auch nicht antworten: „I weiss es nid.“  Das ist doch irgendwie beruhigend. Daher sei allen der Besuch des Bodensee Planetariums und der Sternwarte empfohlen. 

Wandern in Lichtgeschwindigkeit

Es gibt auch noch weitere Attraktionen zu entdecken. Zum Beispiel gibt es zwei Planetenwege. Der eine führt von Konstanz, der andere vom Bahnhof Siegershausen zum Bodensee Planetarium. Sie sind je sechs Kilometer lang. Der Massstab der Routen ist 1:1’000’000’000. Mit jedem Schritt legt man so die doppelte Distanz zwischen Erde und Mond zurück. Gemäss Homepage erreicht man so bei gemütlichem Wandern die drei- bis vierfache Lichtgeschwindigkeit. Wandern in Lichtgeschwindigkeit – das macht den Kindern bestimmt Spass!